YI M1 billige Chinaknipse oder doch brauchbar?

Die YI M1 in der Praxis.

IMG_6807Die YI M1 kommt jung und modern in einer edlen Verpackung daher. Das stilsichere Gehäuse, welches mit seinem kantigen und abgerundetem Design aus hochwertig verarbeitetem Kunststoff schnell gefallen findet, erinnert an ein Model aus der rot gepunkteten Kamerafamilie der deutschen Marke Leica, nämlich der T.
Die Systemkamera ist mit einem Sony-Sensor IMX269 im Format Micro-Four-Thirds mit 20 Megapixeln ausgestattet. Das Bajonett ist Micro 4/3 Standard und eröffnet somit eine riesige Auswahl an Objektiven von Olympus und Panasonic.

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IMG_6826Mit im Set der YI M1 ist das Zoomobjektiv 3.5-5.6 12-40 mm (24-80mm Kleinbildäquivalent), mit dem sich eine Vielzahl von Motiven ablichten lassen. Ein weiteres Merkmal der hochwertigen Verarbeitungsqualität sind die kleinen Torx-Schräubchen, die an Stelle einfacher Kreuzschlitzschrauben Verwendung finden. Das Objektivbajonett ist aus Metall gefertigt.

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YI M1 Kamera Seitenansicht mit versenkten Torx Schrauben aus Metall

Gefallen findet auch die flache Oberseite der Kamera, bei der keine Bedienelemente herausragen, sondern mit der Oberseite abschliessen. Das hätte man auch anders machen können, aber zeugt es so doch von dem hohen Anspruch an das Design. Aber aussen Hui und innen Pfui?
Zwei wichtige Kriterien sind m.E. von Interesse: Bildqualität und Bedienkonzept. Unter der Abdeckung in der Mitte befindet sich der Blitzschuh, auf dem ein Aufsteckblitz montiert werden kann. Eine Blitzautomatik gibt es aber nicht. Und es gibt auch keinen eingebauten Blitz. Aber wer baucht schon einen Blitz, bei den hohen ISO-Werten. Dazu später mehr. Immerhin kann man einen Funkauslöser für einen entfesselten Blitz anbringen. Da hat man an die Peoplefotografen gedacht, für die auch in dem Set mit zwei Objektiven eine 85mm Portraitbrennweite beiliegt, die eine Lichtstärke von 1.8 und eine Makrofunktion aufweist.

YYI M1 Bedienkonzept
Bedienkonzept: Beim Blick auf die Rückseite der Kamera fällt auf, dass es nur zwei Tasten gibt. Eine für die Bildwiedergabe und die andere zum Löschen von Bildern. Das linke Drehrad auf der Oberseite bietet die Auswahl von Programmen an und startet die Videofunktion durch Druck auf die integrierte Taste. Zur Auswahl stehen die Programme P = Programm, A = Blendenvorwahl, S = Zeitvorwahl, M = Manuell, [S] = Szene sowie Vollautomatik, Panorama, Master Guide und Video. Aus meiner Sicht ist das völlig ausreichend, fast schon zu viel an Möglichkeiten. Die fehlende Menü-Auswahl-Taste wird durch eine Wischgeste (von links nach rechts) ersetzt. Die dann erscheinenden Auswahlpunkte sind nicht in Gruppen zusammengefasst, wie es sonst üblich ist. Man braucht nicht erst lange in Hauptgruppen suchen, welche Einstellung sich wo befindet. Die wichtigsten Parameter sind auch gleich auf dem ersten Panel erreichbar. ISO, Weißabgleich, Messmethode, Fokus-Modus, Touch-Auslösung, Gesichtserkennung, HDR, Bildfolgemodus und Verbindungseinreichtung. Weitere Menüpunkte folgen durch Wischen nach oben. Das rechte Einstellrad ist für die Veränderung der ausgewählten Parameter bei der Aufnahme und für das Zoomen bei der Wiedergabe zuständig.

Genug der Vorrede, jetzt geht es in die Praxis. Auf dem Display ist permanent oben und unten ein halbtransparenter grauer Streifen zu sehen, der das Sucherbild überlagert. Das ist etwas störend.

YIM1 Display bei Aufnahme
YIM1 Display bei Aufnahme

Links sind drei Button untereinander angeordnet. Der aktivierte Button wird rot dargestellt. Die Parameter werden mit dem Einstellrad verändert. Rechts ist der Button zum Einblender weiterer Parameter, die direkt geändert werden können.

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In dem Menü können 7 Parameter ausgewählt und verändert werden. Mir gefällt dieses Bedienkonzept, da es durchdacht und intuitiv zu benutzen ist. Eine, aus meiner Sicht, Spielerei ist im C Modus vorhanden. Man kann sich über die Smartphone App Masterguides herunter laden und auf die Kamera übertragen. Dort wählt man die Vorlagen, die objektivgebunden sind, aus und bekommt die Umrisse der bildwichtigen Teile im Display angezeigt. Na ja, ehrlich, das braucht man nicht wirklich.

Auswahl von Motivvorlagen
Auswahl von Motivvorlagen

IMG_6944-blackwhiteWischt man über den Bildschirm nach Links erreicht man Bildlooks, die ausgewählt werden können.

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Plus/Minus:
+ modernes Design und Bedienkonzept
+ einfache intuitive Bedienbarkeit
+ Micro 4/3 Format und Bajonett
+ DNG Rohdaten
+ SD Speicherkarten
+ großer Dynamikumfang
+ Smartphone App mit Fotolehrgang (Masterguide)
– derzeit keine Ersatzakkus verfügbar
– kein extra Sucher
– Display bei Sonnenschein kritisch
– kein Klappdisplay

Fazit: Eine sehr schöne Kamera mit einem Innovativen Bedienkonzept reduziert auf das Wesentliche, mit dem auch Einsteiger sehr gut zurecht kommen. Die vom Smartphone gewohnte Bedienung der Kamerafunktion wurde sehr gut umgesetzt und stellt keine Herausforderung dar. Ein Handbuch ist durchaus verzichtbar. Die Bildqualität ist sehr gut. Besonders der hohe Dynamikumfang und die Durchzeichnung der Schatten trotz Gegenlicht gefällt mir sehr. Die Bilder in der anschließenden Galerie sprechen für sich. Ich habe für die Testreihe die ISO-Automatik bis 3200 eingestellt. Die Bilder wurden in Adobe Lightroom in Tiefen und Lichtern angepasst.


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2 KOMMENTARE

  1. Ein brauchbarer und angemessener Erfahrungsbericht im Gegensatz zu so einigen emotionalen Verrissen. Danke dafür. Mit welchen Objektiven wurden die Beispielbilder gemacht? Ich gehe davon aus, dass die neueste Firmware zur Anwendung kam. Wie sehen die Erfahrungen 2 Monate später aus?

    Grüße aus den Norden

    Roland

    • Die Bilder wurden alle mit dem Zoomobjektiv gemacht. Die Festbrennweite hatte ich nicht. Die neueste Firmware war installiert. Nachteilig ist weiterhin, dass man keine Akkus bekommt, weshalb ich die Kamera dann auch wieder zurück gegeben habe. Mit einer gebrauchten Olympus Pen ist man vllt. besser bedient. Die Bildqualität der YI M1 war schon sehr beeindruckend. Und das minimalistische Bedienkonzept finde ich immer noch sehr gut. Mehr braucht man an einer Kamera eigentlich nicht.

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